Hintergrund |
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Schaltet Brunsbüttel endlich ab!Beinahe-Katatstrophe im AKW ForsmarkAm 25. Juli 2006 kam es im schwedischen Atomkraftwerk Forsmark beinahe zur Katastrophe: Zwei von vier baugleichen Notstromaggregaten sprangen nicht an, als nach einem Kurzschluss der Strom ausfiel. Wäre ein weiteres Aggregat ausgefallen, hätte der Reaktor nicht mehr ausreichend gekühlt werden können und der Super-GAU wäre perfekt gewesen. Dass dies nicht geschah, war reiner Zufall. „Es hätte gereicht, dass nur eines der beiden anderen versagt, und eine Kernschmelze wäre die Folge gewesen“, sagte der Chefkonstrukteur von Forsmark, Lars-Olov Höglund, der Financial Times Deutschland. In Deutschland könne das nicht passieren, beeilte sich das „Atom-Forum“ zu versichern – noch bevor feststand, was genau passiert war. Wie verhält es sich damit in Wirklichkeit? Notstromkonzept in Brunsbüttel: Schlechter als ForsmarkIm Atomkraftwerk Brunsbüttel gibt es sogar nur drei anstatt der sonst üblichen vier Notstromaggregate. Ende 2001 gab es in Brunsbüttel eine Wasserstoff-Explosion. (Wasserstoff entsteht in Reaktoren dieses Typs aus dem Wasser, das der radioaktiven Strahlung ausgesetzt ist.)
Im Februar 2003 wurde nach acht Änderungen der Anlage der Reaktor wieder in Betrieb genommen. Die Reaktorsicherheitskommission stellte damals fest, dass in Brunsbüttel „ ein Anlagenkonzept vorliegt, das nicht mehr in allen Anlagemerkmalen dem Stand von Wissenschaft und Technik entspricht.“ Im Störfall nicht sicher beherrschbarErst 2002 kam heraus, dass der 1976 in Betrieb gegangene Reaktor Brunsbüttel Planungsfehler in der Notstromversorgung aufweist. Die Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit stellte dazu im Januar 2006 fest, dass diese Fehler „sowohl bei Störfällen … als auch bei auslegungsüberschreitenden Ereignissen…die Beherrschung der Ereignisse gefährdet“ hätten. Die Behörden machten zur Auflage, dass nach der Wieder-Inbetriebnahme „betriebsbegleitend“ Berichte über die „Fehlerfreiheit“ des Reaktors zu liefern seien. Die Reaktorsicherheitskommission hatte eine „Vereinfachung der leittechnischen Verknüpfungen“ zur „Erhöhung der Zuverlässigkeit“ gefordert. Haarsträubende Sicherheitsdefizite bleibenDie „Deutsche Umwelthilfe“ schreibt dazu in einem lesenswerten Hintergrund-Papier vom 16. August 2006: „Geschehen ist seither nach Aussage von Insidern wenig. Der Reaktor läuft. Die von den Fachgremien festgestellten Sicherheitsdefizite bleiben.“ Festzuhalten ist, dass das Sicherheitskonzept nicht mehr dem Stand von Wissenschaft und Technik entspricht. Vor allem die Zahl unabhängiger Komponenten, die sich im Notfall gegenseitig ersetzen können (Redundanz), entspricht beim Kraftwerk Brunsbüttel mit nur drei Notstromdieseln an nur zwei Dieselsträngen nicht den Standards. Bei Ausfall einer Schiene müssen der dritte Dieselmotor und die ihm zugeordneten Verbraucher auf die intakte Schiene umgeschaltet werden. Dieses komplexe und störungsanfällige System lässt Fachleuten die Haare zu Berge stehen. Betreiber: Längere Laufzeit für BrunsbüttelDie Betreibergesellschaft des AKW Brunsbüttel gehört Tochterfirmen von Vattenfall und E.ON. Sie zeigen sich von all diesen Tatsachen unbeeindruckt. Vattenfall-Vorstandsmitglied Reinhardt Hassa sagt der der Frankfurter Rundschau im September: „Wir prüfen, Brunsbüttel länger laufen zu lassen, indem wir Strommengen von anderen Kraftwerken auf dieses Kraftwerk übertragen. Der Atomkonsens ermöglicht das.“ Nach jetzigem Stand dürfte Brunsbüttel bis Ende 2009 betrieben werden. Dies entspricht der Politik der vier großen Netzbetreiber, möglichst viele alte Atomkraftwerke in die nächste Legislatur-Periode hinüber zu retten, in der Hoffnung, dass die nächste Regierung den Atomkonsens aufhebt. Zuverlässige Betreiber?Im Falle des deutlich weniger sicheren AKW Brunsbüttel ist dies besonders zynisch. Dass die Brunsbüttel-Betreiber die vom Atomgesetz geforderte Zuverlässigkeit aufweisen, muss vor diesem Hintergrund ernsthaft bezweifelt werden. Ein Grund mehr für den Stromwechsel!Wem dies Grund genug ist, den Stromanbieter zu wechseln, der findet
atomstromfrei und klimafreundlich erzeugten Strom bei den „Stromrebellen“
der Elektrizitätswerke Schönau im Schwarzwald (www.ews-schoenau.de).
Sie wurden übrigens gerade mit dem „Deutschen Gründerpreis“
ausgezeichnet. Quellen:Rosenkranz, G. (2006). Chronik eines verschleppten Problems.
Deutschland überprüft Atommeiler. Financial Times Deutschland. 4./5../6. August 2006, Seite 1. „Brunsbüttel kann länger laufen“.
Interview mit Vattenfall-Vorstandsmitglied Reinhardt Hassa.
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