Patentiertes Leben
Über Gen- und andere Manipulationen
„Betrügerischer Rapsanbau“ – der Fortschritt
macht’s möglich!
Patente schützen geistiges Eigentum – so weit so gut. Höchst
problematisch wird die Sache, wenn sich Firmen Patente auf Nutzpflanzen
sichern, an denen sie auf züchterischem oder gentechnischem Weg
Veränderungen vorgenommen haben.
Denn nun können Bauern über die Pflanze nicht mehr frei verfügen
– wollen sie sie nutzen, müssen sie Lizenzgebühren bezahlen.
Dabei haben sie oft nicht mehr die Wahlfreiheit, denn die traditionellen
Sorten – das Ergebnis jahrhundertelanger Züchtung - wurden
vom Markt verdrängt.
Auch von Bauern, die die Pflanzen mit den kostenpflichtigen Genen nicht
angebaut haben, sondern denen diese Gene mit dem Pollen von anderen
Feldern zugeflogen sind, verlangen die Saatgutfirmen Gebühren.
Dies geschah beispielsweise dem kanadischen Bauern Percy Schmeiser,
den der Agrarkonzern Monsanto wegen „betrügerischer Verwendung“
von gentechnisch verändertem Raps-Saatgut und „Patentverletzung“
unnachgiebig durch alle gerichtlichen Instanzen verfolgt hat (Ziegler
2005).

Eine Vision der Gentechniker: Pflanzen mit tierischen und
menschlichen Genen sollen Rohstoffe für Pharma-Industrie produzieren
Fotomontage: Union of Concerned Scientists
Raps und andere Unkräuter
Genveränderte Pflanzen in der Landwirtschaft haben in der Bilanz
den Einsatz von Pestiziden nicht vermindert, sondern erhöht. Herbizidresistente
Rapssorten sind inzwischen selbst zu Unkräutern geworden (Bauer
2005).
Die Firma Monsanto liefert nicht nur das Saatgut herbizidresistenter
Sorten, sondern auch die Herbizide dazu. Bereits nach wenigen Jahren
des Anbaus roundup-resistenter Sorten kombiniert mit dem Einsatz von
„Roundup“ als einzigem Herbizid in einigen Anbaugebieten
der USA ist das Kanadische Berufskraut (horseweed) in Baumwoll- und
Soja-Feldern roundup-resistent geworden. Jetzt werden wieder Kombinationen
älterer Herbizide in hohen Dosierungen ausgebracht (Freudling 2002)
Goldener Reis und goldene Nasen
(Fakten aus Bauer 2005)
Als Türöffner für die Gentechnologie in der Landwirtschaft
ist der angeblich besonders Vitamin-A-reiche „Goldene Reis“
gedacht. Ihm wurde ein Gen zur Bildung von Beta-Karotin, einer Vorstufe
des Vitamin A, aus Narzissen eingebaut. Er soll an Kleinbauern zunächst
ohne Lizenzgebühren abgegeben werden. Sein Vitamin-A-Gehalt ist
aber noch immer so gering, dass ein Erwachsener mehrere Kilo davon essen
müsste, um die notwendige Tagesdosis zu sich zu nehmen.
Vitamin-A-Mangel führt in vielen Ländern der Dritten Welt
zur Erblindung. Vielerorts ist er die Folge der Verdrängung klassischer
Nahrungsmittel durch „moderne“ Nahrungsmittel. Beispielsweise
mussten in Indien herkömmliche Gemüsearten und ungeschälter
Reis neuen Reissorten weichen, die geschält in den Handel gebracht
werden.
Einige traditionelle asiatische Reis-Sorten haben einen viel höheren
Vitamin-A-Gehalt als beim „Goldenen Reis angestrebt wird –
aber hier steckt das Vitamin A in der Schale. Die Propagierung von geschältem
Reis ist also für das Problem mitverantwortlich, das nun der „Goldene
Reis“ beheben soll.
Im „Goldenen Reis“, der die Erwartungen noch längst
nicht erfüllt, stecken 70 Patente, die im Besitz von 32 Inhabern
sind. Das Projekt wird von den zwei größten Gentechnik-Firmen
der Welt kontrolliert.
Die Firmen schränken aber nicht nur die Rechte der Bauern ein,
sie bekämpfen aus Furcht vor Konkurrenz auch den freien Informationsaustausch
in der Wissenschaft.
„Unlauterer Wettbewerb“ durch die Natur?
Die durch Patente monopolisierte Gentechnik in der Landwirtschaft nützt
also wenigen – und richtet gleichzeitig unermesslichen Schaden
an.
Hat Jean Ziegler, der Sonder Berichterstatter der UNO für das
Recht auf Nahrung vielleicht Recht, wenn er annimmt, die Saatgut- und
Pharma-Konzerne betrachteten die Existenz von freien Gütern in
Form natürlicher Pflanzen als „unlauteren Wett-bewerb“,
der unnachgiebig zu bekämpfen sei?
Quellen:
Bauer, Andreas 2005. Gentech-Pflanzen erfüllen Erwartungen
nicht (Beitrag auf der Web-Seite des Umweltinstituts München
(http://www.umweltinstitut.org/frames/gen/erwartungennicht.htm)
Freudling, Crescentia (2002). Monsantos Strategie geht nicht
auf (die tageszeitung vom 6.12.2002)
Ziegler, Jean (2005). Das Imperium der Schande. Der Kampf gegen
Armut und Unterdrückung. C. Bertelsmann Verlag, München.
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