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Hierzulande sind wir natürlich keine
Araber.
Wir
sind hier nicht in Ägypten oder Tunesien. Der Araber als solcher
hält viel aus, wenn der Tag lang ist. Ja, er hält sogar Jahre aus, wenn es
sein muß und wir ihn indirekt darum bitten durch unsere Waffenlieferungen
an seine Ex-Cellenzen.
Er hält Terror und Folter aus, Gefängnis und
Vertreibung, Mord und Totschlag. So gesehen, ist er Vorbild für uns:
Duldsam, klaglos, hart im Nehmen.
...
Hierzulande sind wir natürlich keine
Araber. Wir haben eine Demokratie, und wenn wir einen festen Wohnsitz
haben, haben wir auch eine Wahlbenachrichtigung bekommen. Wir haben die
freie Wahl zwischen 5 oder 6 Euro mehr oder gar 10 Euro. Wir haben ein
Bett, manchmal unter der Brücke, manchmal über dem Abluftschacht der
Staatsoper. Da kommt’s im Winter warm raus, und wenn man Glück hat, kann
man sogar den Klängen einer Oper lauschen - alles für umme. Der eine oder
andere hält vielleicht die Hand auf, und wenn die Oper gut war, fragen die
Reichen und Schönen vielleicht augenzwinkernd: „Darf a bissle mehr sein?“
Ein bissle mehr: Das wären Medien, die
genauer hinschauen, das wären Parlamentarier, die mit den neuen
„Ausgesonderten“ genauso großzügig umgeben wie mit ihren Landesbanken. Das
wären Menschen, die wissen (weil sie richtig zugehört haben), wie schnell
man auf die Schnauze fallen kann und wie schwer es ist, wieder
aufzustehen. Ein bissle mehr: Das wäre eine Lobby, die genauso hart gegen
Armut kämpft wie für eine Diätenerhöhung. Ein bissle mehr: Das wären
Menschen in der Stadt, in der Region, die zu den wohlhabendsten in Europa
zählt, die dem armen Wicht, der hingefallen ist, beim Aufstehen hilft. Die
beherzigen, was im Artikel I des Grundgesetzes steht: Die Würde des
Menschen ist unantastbar.

Peter
Grohmann
Kabarettist
und AnStifter, Stuttgart (www.die-anstifter.de)
Auszug aus einem Beitrag für die Märzausgabe von
„trottwar“
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