Wertinger Weltladen: Geld fair anlegen
Im Schloss: Engagement für Entwicklungsländer gefordert
Wertingen (pm).
Die VHS Zusamtal und der Weltladen-Verein Wertingen luden im Rahmen
der "Fairen Wochen 2006" ins Wertiner Schloss zu einem Vortrag
mit dem Titel "Geld fair anlegen".
Der Referent, Dr. Eduard Belotti, ein Finanzberater aus Zusamaltheim
und ehrenamtlicher Mitarbeiter im Weltladen Wertingen, wies auf die
Parallele zwischen dem Einkauf im Weltladen und der ethisch verantwortungsbewussten
Geldanlage hin: In beiden Fällen verfolgt der Kunde die Absicht,
mit seinem Geld positive Entwicklungen im Sozial- und Umweltbereich
zu fördern. Gleichzeitig handelt es sich aber um ein Geschäft:
Der Kunde bezahle einen fairen Preis und habe Anspruch auf eine faire
Gegenleistung.
Ohne Arbeitsschutz
Im Mittelpunkt des Vortrags von Dr. Belotti standen die Lebensbedingungen
der Menschen in den armen Ländern, aus denen wir Agrarprodukte,
Rohstoffe und Textilien beziehen.
Die Menschen, die für uns Kaffee, Tee und Ananas anbauen oder
Hemden nähen, tun dies zu großen Teil bis heute unter erschreckenden
Arbeitsbedingungen: Arbeit bis zu 16 Stunden am Tag unter drückender
Hitze und bis spät in die Nacht ohne ausreichende Pausen sind an
der Tagesordnung. Arbeitsschutz und Sicherheitsbestimmungen sind häufig
nicht vorhanden, in anderen Fällen werden sie nicht eingehalten.
Der faire Handel meidet ausbeuterische Firmen. Er kauft direkt bei
den organisierten Erzeugern und zahlt einen Preis, der ein Leben in
Würde und ohne Armut ermöglicht. Genauso kann man vermeiden,
in solche Firmen zu investieren und es dort anzulegen, wo die Rechte
der Menschen in den armen Ländern geschützt werden.
Eine Möglichkeit ist die Auswahl von Investmentfonds, die ethische
Kriterien bei der Geldanlage berücksichtigen. Hier gelte es aber,
genau hinzuschauen, führte Belotti aus: Einerseits sind die Kriterien
bei den Fonds sehr unterschiedlich. Zudem ist von großer Bedeutung,
wie die Einhaltung dieser Kriterien kontrolliert wird. Unabdingbar ist
ein unabhängiges Kriterium von Umwelt- und Sozial-Experten, das
bei der Auswahl der Wertpapiere für den Fonds entscheidend mitspricht.
Für eine differenzierte Betrachtungsweise sprach sich der Referent
beim Thema Kinderarbeit aus. Er nannte Beispiele, wo durch Ächtung
der Kinderarbeit in der Textilindustrie Kinder in viel schlimmere Arbeit
gedrängt wurden. Wenn nicht gleichzeitig die Ursachen - Armut und
schlechte Qualität der Schule - abgeschafft würden, hätten
solche Maßnahmen nicht den beabsichtigten Erfolg.
Als weitere Möglichkeit neben Investmentfonds nannte Dr. Belotti
die Anlage in Institutionen, die Mikrokredite vergeben. Das sind Darlehen
von oft weniger als hundert Dollar, die es Mittellosen ermöglichen,
als Bauern, Handwerkern oder Kleinhändlern eine eigene Existenz
zu begründen. Diese Klientel wird von normalen Banken - sofern
es sie in diesen Ländern überhaupt gibt - nicht bedient.Wieder
wurde eine Parallele zu fairen Handel deutlich. Der Kreis der Mikrokreditnehmer
ähnelt dem der Agrarproduzenten für die Weltläden. In
einem Film zeigte Dr. Belotti den Aufbau einer Mikrokredit-Bank im Kongo.
Zuverlässige Rückzahler
Die Mikrokredit-Bewegung wurde in der 70er Jahren in Bangla Desh begründet.
Seither haben sich die Klein-Kreditnehmer, unter denen die Frauen stark
überwiegen, als besonders zuverlässige Rückzahler erwiesen.
"Wer die Augen offen hält, kann also auch bei der Geldanlage
für bessere Bedingungen in den armen Ländern sorgen",
resümierte Belotti.
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