Klimaschutz durch Atomkraft?
Gottmannshofen (pm) -
Auf Einladung von Bündnis 90/Die Grünen referierte
Dr. Eduard Belotti aus Augsburg im Landgasthof Stark in Gottmannshofen
zum Thema „Klimaschutz durch Atomkraft?“
Beim Betrieb der Atomreaktoren falle kein Kohlendioxid an, sagte der
Referent. Die Urangewinnung sei aber so energieintensiv, dass je nach
Herkunft des Urans bei deutschen Atomreaktoren 31 bis 61 Gramm pro Kilowattstunde
erzeugten Strom anfielen - mit steigender Tendenz, da die Uranlagerstätten
immer unergiebiger würden. Damit seien sie zwar viel klimafreundlicher
als Kohlekraftwerke, aber nicht so klimafreundlich wie etwa die Windenergie.
Zwei Drittel als Abwärme
Ein großes Manko der Großkraftwerke sei, dass zwei Drittel
der Energie als Abwärme die Umwelt belaste. Im Sommer müssten
sie wegen Wassermangel immer wieder abgeschaltet werden - das sei in
Zukunft voraussichtlich öfter der Fall. Wegen dieser Energieverschwendung
sei die CO2-Bilanz von Atomkraftwerken nicht besser als die von Erdgas-Blockheizkraftwerken,
deren Abwärme genutzt werde.
Der Anteil der Atomkraft am weltweiten Energieverbrauch sei mit zwei
Prozent so gering, dass ihr Beitrag zum Klimaschutz nur sehr gering
sein könne.
Die Entlastung des Klimas sei also gering, die Probleme, die die Atomkraft
mit sich bringe, seien dagegen groß und - wie im Fall des Atommülls
- kaum zu bewältigen. Die Eignung von Salz für ein Endlager
für hoch radioaktive Abfälle sei unter Geologen umstritten,
Gorleben insbesondere sei ungeeignet, weil das Salz nicht durch undurchlässige
Deckschichten vor Wasser geschützt sei. Einwände von Geologen
seien über Jahrzehnte ignoriert worden.
Gegen die weitere Nutzung der Atomkraft spreche auch die Kinderkrebsstudie.
Diese Studie, auf deren Methodik sich Atomkraftgegner und -befürworter
im Vorfeld geeinigt hätten, zeige einen statistisch hoch signifikanten
Zusammenhang zwischen Nähe zum Atomkraftwerk und der Häufigkeit
von Kinderkrebs. Andere Risikofaktoren seien ausgeschlossen worden.
Dass der bereits bedeutende Anteil der erneuerbaren Stromquellen weiter
gesteigert werden müsse, sei Konsens. Dies sei aber mit der Atomkraft
nicht vereinbar. Gebraucht würden vielmehr flexiblere Kraftwerke,
deren Leistung reduziert werden könne, wenn der nicht konstant
anfallende Strom aus erneuerbaren Energiequellen eingespeist werde.
Zum Ausgleich von Erzeugung und Bedarf müsse natürlich auch
Stromspeicherung eingesetzt werden. Als zusätzliche Möglichkeit
zeichneten sich Elektro-Autos und ihre Batterien ab.
|