Zwischenruf

 

Konsequent verpennt

Wenige Monate, bevor er den Chefsessel bei RWE räumen muss, kartet Jürgen Grossmann, dem die Energiewende im Magen liegt, noch einmal nach. In der Financial Times Deutschland vom 7. Dezember 2011 resümiert er: „Deutschland tut gut daran, bestehende Wertschöpfungsketten und Kompetenzcluster zu erhalten. Die hier existierenden Arbeitsplätze sind meist nachhaltiger und zukunftssicherer als viele der durch staatliche Umlagefinanzierungen geförderten Hoffnungswerte.“ 

KernkraftwerkGanz offenbar ist nicht einmal ein so furchtbares Unglück wie das in Fukushima einschneidend genug, um bei Grossmann einen Lernprozess auszulösen. Zu den Vorreitern der Energiewende, die er hier angreift, gehört er gewiss nicht (die Regierung Merkel übrigens auch nicht). Aber er bringt es noch nicht einmal fertig, sich unter die Nachzügler einzureihen. Er malt einmal mehr das Schreckgespenst der durch höhere Energiepreise zusammenbrechenden Wirtschaft an die Wand. Tatsache ist, dass Großverbraucher in der Industrie beim Strompreis auf Kosten der Haushalte sehr stark entlastet werden. Dies gilt bei der Stromsteuer, aber auch bei den Netzentgelten, deren Höhe nicht durch entsprechende Leistungen der  Netzbetreiber gerechtfertigt ist.


Mit den üppigen Einnahmen aus den Netzentgelten wurden Firmen im Ausland gekauft, nur ein Bruchteil floss in die Erhaltung der Netze. Die totale Verweigerung herrschte bei der Anpassung des Strom-Netzes an die Energieversorgung der Zukunft, die in viel stärkerem Maße auf dezentralen Kraftwerken beruht. Hier wird seit vielen Jahren bis zum heutigen Tag nicht investiert, sondern blockiert.

WindkraftUnd auch die Stromgewinnung aus erneuerbaren Energien selbst hat RWE, wie die anderen großen Erzeuger, konsequent verpennt: Der ganz überwiegende Teil der Produktionskapazitäten in diesem Bereich befindet sich im Besitz der Bürger.

Wenn Großmann geht, hinterlässt er eine schwere Hypothek in Form von vielen Tonnen noch Jahrhunderttausende lang strahlenden Atommülls, für dessen sichere Aufbewahrung es keine Lösung gibt (vielleicht nie geben wird) und von dem in Kraftwerken von RWE noch zehn Jahre lang täglich mehr produziert werden soll.

 


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